Die Bauwirtschaft steht weiter unter Druck: Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und steigende Anforderungen an Planung und Dokumentation treffen auf Fachkräftemangel und enge Zeitpläne. Genau hier setzt das ZIM‑Innovationsnetzwerk ReefBa – Ressourceneffiziente Bausysteme an. Nach dem Start im August 2025 hat das von der RKW Sachsen‑Anhalt GmbH gemanagte Netzwerk in den vergangenen Monaten konkrete nächste Schritte in Richtung marktnaher Lösungen vorbereitet – mit einem klaren Fokus auf neue Materialien, Rohstoffkreisläufe und digitale Prozessketten.
Praxis trifft Forschung: Netzwerktreffen bei ASTKA und Besuch im Kieswerk
Ein zentraler Meilenstein war das Netzwerktreffen am 7. Mai 2026 bei der ASTKA Bauunternehmen GmbH in Kalbe (Milde) OT Altmersleben. Neben dem Austausch zu laufenden Projektlinien stand eine Exkursion im Vordergrund: die Besichtigung des Kieswerks Bühne der SKS GmbH. Der Ort war bewusst gewählt – denn Ressourceneffizienz beginnt bei der Frage, wie Primärrohstoffe wie Kies und Sand künftig stärker durch Sekundärrohstoffe ersetzt werden können.
Auf dieser Basis diskutierten die Netzwerkpartner konkrete Ansätze, wie die vorhandene Infrastruktur und das Know‑how aus Baupraxis und Rohstoffwirtschaft genutzt werden können, um Recyclingmaterialien aus Sanierung und Abbruch zu hochwertigen Zuschlägen aufzubereiten. Genau solche Schnittstellen zwischen Material, Prozess und Anwendung sind für ReefBa entscheidend: Innovation soll nicht im Labor stehen bleiben, sondern in realen Wertschöpfungsketten funktionieren.
Carbonbeton als Innovationspfad – von der Sanierung bis zum Behälterbau
Ein inhaltlicher Schwerpunkt im Frühjahr war der Austausch mit wissenschaftlichen Partnern aus dem Umfeld der Technischen Universität Dresden (Institut für Massivbau). Ein eingebrachtes Ideenpapier skizziert mehrere Anwendungsfelder rund um nichtmetallische Bewehrung und Carbonbeton – von der Verstärkung bestehender Bauwerke bis zu neuen, leichteren Fertigteilkonzepten.
Besonders praxisnah: Vorschläge für Sanierungsanwendungen in Bereichen, in denen klassische Stahlbewehrung an Grenzen stößt – etwa bei aggressiven Medien. Genannt werden u. a. Anwendungen im Behälterbau sowie die Sanierung von Silage‑Lagern, bei denen nichtmetallische Bewehrung gegenüber Säuren und Laugen Vorteile bieten kann. Gleichzeitig wird betont, dass für solche Einsatzfelder die Frage einer bauaufsichtlichen Zulassung mitgedacht werden muss.
Auch für den Neubau werden Potenziale gesehen: Leichtere Carbonelemente könnten Transport- und Montageaufwände reduzieren; als realistisch wird beispielsweise eine deutliche Gewichtseinsparung bei bestimmten Fertigteilen beschrieben. Ergänzend wurden Ideen diskutiert, wie Carbonbetonbauteile künftig mit Recyclingzuschlägen hergestellt werden könnten – etwa durch die Nutzung gebrochener Zuschläge aus rezykliertem Stahl‑ oder Carbonbeton, insbesondere für Betone mit kleinerem Größtkorn.
Projekte im Netzwerk: von Geopolymeren bis „Punktwolke zu BIM"
Parallel zu den Materialthemen treibt ReefBa weiterhin Digitalisierung und neue Systemlösungen voran. Bereits im März wurden die laufenden Projektlinien SysGeo und ReSysTrock sowie die Projektidee „PUWOBIM“ (Punktwolke zu BIM) als wichtige Entwicklungspfade eingeordnet. Ziel bei PUWOBIM ist es, den Weg von 3D‑Scans hin zu nutzbaren Modellen zu verkürzen – nicht mit dem Versprechen einer vollständigen Automatisierung, sondern durch realistische Teilautomatisierung und bessere Schnittstellen.
Für das Netzwerk ist genau diese Kombination entscheidend: Materialinnovation (z. B. Geopolymere, Carbonbeton, Recyclingzuschläge) und Prozessinnovation (z. B. digitale Datenerfassung, Modellketten, KI‑gestützte Auswertung) sollen gemeinsam auf Anwendungen in der Baupraxis einzahlen.
Innovationstag Mittelstand: Austausch und Sichtbarkeit über die Region hinaus
Dass sich die Themen nicht auf Sachsen‑Anhalt beschränken, zeigte sich auch beim Innovationstag Mittelstand des BMWE 2026 am 11. Juni 2026 in Berlin‑Pankow. Die Open‑Air‑Veranstaltung gilt als Schaufenster für innovationsgeförderte Projekte und als Plattform für Kooperationen – mit rund 300 Ausstellern und einem verstärkten Fokus auf Netzwerke durch den neu eingeführten ZIM‑NetzwerkCampus.
Für ReefBa stand dabei vor allem der persönliche Austausch im Mittelpunkt – unter anderem mit dem Vereinsmitglied BT innovation. Solche Treffen sind für Netzwerke wertvoll, weil sie neue Impulse liefern, Partnerschaften festigen und den Transfer aus Forschung und Entwicklung in marktfähige Anwendungen beschleunigen.
„Wir wollen Innovation so aufstellen, dass sie für kleine und mittlere Unternehmen tatsächlich umsetzbar wird – mit praxistauglichen Materialien, realistischen Prozessketten und starken Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft“, sagt **René Sieburg**, Netzwerkmanager im ZIM‑Netzwerk ReefBa.
Ausblick: nächste Projektschritte und neue Kooperationslinien
Die nächsten Monate sollen genutzt werden, um priorisierte Themen – insbesondere Carbonbeton‑Anwendungen, Recyclingpfade und digitale Prozessbausteine – weiter zu konkretisieren und in belastbare Projektansätze zu überführen. Dabei bleibt ReefBa seinem Grundprinzip treu: Innovation entsteht dort, wo Praxisfragen auf Forschungskompetenz treffen – und wo regionale Wertschöpfungsketten als Reallabor genutzt werden.
